"Lissabon ist Portugal, der Rest ist Landschaft". Das behaupten zumindest die Bewohner der Hauptstadt am Tejo seit jeher. Wenn auch der golfende Portugal-Urlauber dem nicht ganz beipflichten kann: Es ist schwer, sein Herz nicht an die weiße Metropole zu verlieren, mit all ihrer Schönheit, der Kultur und der unbändigen Lebensfreude.
Aber die Stadt hat sich verändert in den letzten Jahren: War sie immer eine Grande Dame, deren morbidem Charme man sich nicht entziehen konnte, so haben doch ein Jahr als Kulturhauptstadt (1994), die Weltausstellung EXPO 98 und eine junge Szene mit neuen Lokalen, Galerien und Kneipen eine Aufbruchstimmung und geradezu jugendlichen Elan in Portugals Kapitale gebracht. Mit der EXPO unter dem Motto "Die Ozeane - ein Erbe für die Zukunft" hat sich die Seefahrernation direkt entlang des Flusses Tejo ein Denkmal gesetzt. Vieles ist geblieben - so u.a. das Ozeanarium, Europas größtes Aquarium; dazu zahlreiche Veranstaltungen und begleitende Unterhaltung für die staunenden Besucher. Und zwischen den zukunftsweisenden Bauten und gemütlichen Cafes am Tejo, von dem ein heimischer Poet einst schrieb, er führe mehr Sehnsucht als Wasser, läßt es sich herrlich flanieren.
Für Golfer ist die Gegend um Lissabon, die Costa de Lisaboa, schon lange eine echte Alternative zur Algarve. Und seit etwas mehr als einem Jahr gibt es ein paar Gründe mehr für eine Reise in die ewig junge alte Metropole: Drei neuere Golfplätze vom Allerfeinsten haben das prächtige Dutzend inzwischen voll gemacht. Das spektakulärste, Praia d El Rey, befindet sich etwa eine dreiviertel Stunde nördlich von Lissabon, bei Obidos, direkt am Atlantischen Ozean. Vier Spielbahnen liegen direkt über dem tosenden Atlantik, sechs weitere verwöhnen mit grandiosen Ausblicken auf kleine Inseln und vorbeiziehende Pötte. Platzarchitekt Cabell Robinson hat hier, mit Hilfe von Mutter Natur, einen Parcours hin gezaubert, der seinesgleichen auf der Iberischen Halbinsel sucht.
Das nahe gelegene mittelalterliche Städtchen Obidos -mit seinen verwinkelten Gassen, der Burg und weiß gekalkten Häusern ein Weltkulturerbe, steht dem Golfkurs in keiner Weise nach. Numero zwei ist der Belas Campo de Golf, dem Stararchitekt Rocky Roquemore seinen Stempel aufdrückte. Die Fairways schmiegen sich harmonisch in die hügelige Landschaft; zwei riesige Seen erfreuen das Auge ( und steigern den Ball-Umsatz im Proshop). Die Driving Range ist von beiden Seiten bespielbar und besser gepflegt als so mancher Golfplatz.
Bei Rior Maior schließlich liegen weitere 18 prächtige Löcher. Der Golden Eagle Golfclub existiert zwar schon fünf Jahre, war bisher aber einer Handvoll Mitgliedern vorbehalten. Seit 1997 dürfen auf diesem Privatheiligtum aber auch Green- Fee- Spieler abschlagen. Freilich können sich aber auch die "älteren" Plätze sehen lassen: Zwischen dem Nobelvorort Estoril, wo sich Anfang des Jahrhunderts der Blut- und Geldadel seine Villen baute, und der Burgenstadt Sintra, dem einstigen Sommersitz der Könige, war und ist der 18-Loch-Championship-Platz Penha Longa die spielerische Herausforderung schlechthin und optisches Vergnügen zugleich. Wer direkt am Golfplatz wohnen will: Das Resort-Hotel Caesar Park zählt zu den exklusivsten Portugals; noch heute kann man hier den dekadenten Charme der Belle Epoque sehen und spüren. Und gleich nebenan hat sich Cascais vom beschaulichen Fischerdorf zum schicken Urlaubsparadies gemausert.
Schöne, kilometerlange Strände finden sich an der Costa Azul im Süden Lissabons. Anders als an der mondänen Costa do Estoril geht es dort eher gemütlich zu: Herrenhäuser und Pousadas statt Grandhotels, Wanderwege statt Flaniermeilen. Aber auch hier Golf vom Feinsten, etwa auf Troia, Quinta do Peru, Montado und nicht zuletzt auf Arbofeira, wo in kürze ein zweiter 18-Loch-Parcours fertiggestellt sein wird. Und dank der neuen, 17,2 km langen Vasco-da-Gama-Brücke wurde die Staugefahr auf dem Weg zu den Plätzen im Süden erheblich vermindert.
Ob Großstadt- Flair in Lissabon, mondänes Urlaubstreiben rund um Estoril, unentdeckte Schätze im Norden oder idyllische Landstriche ohne Hektik im Süden: Für fortgeschrittene Portugalliebhaber hat die Costa de Lisboa zweifellos jede Menge zu bieten.
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